Wett-Glossar zur WM 2026: 65 Begriffe ehrlich erklärt

Ladevorgang...
Wer falsche Begriffe versteht, trifft falsche Entscheidungen. Das klingt banal, ist aber der häufigste Fehler unter Tipper-Einsteigern: Man setzt auf eine „Doppelte Chance“, ohne zu wissen, was sie kostet. Man redet von einem „guten Tipp“, ohne die Quote mit der fairen Wahrscheinlichkeit verglichen zu haben. Dieses Glossar löst das Problem. 65 Begriffe, klar definiert — von der Dezimalquote bis zum Closing Line Value. Kein Marketing, keine Vereinfachung.
Quoten und Märkte
Dezimalquote — Das Standardformat für Quoten in der Schweiz und Kontinentaleuropa. Eine Quote von 2.40 bedeutet: Für jeden eingesetzten Franken gibt es 2.40 CHF zurück (Einsatz inklusive). Der Gewinn beträgt also 1.40 CHF pro eingesetztem Franken. Schweizer Anbieter wie Sporttip verwenden ausschliesslich Dezimalquoten.
Faire Quote — Die Quote, die der tatsächlichen Wahrscheinlichkeit entspricht, ohne Buchmachermargin. Wenn ein Ereignis 40% Wahrscheinlichkeit hat, ist die faire Quote 2.50 (1 geteilt durch 0.40). Angebotene Quoten sind immer unter der fairen Quote — das ist die Margin des Buchmachers.
Margin (Buchmachermargin / Vig) — Der strukturelle Vorteil des Buchmachers. Bei einem theoretisch fairen 50/50-Spiel würde der faire Kurs 2.00/2.00 sein. Der Buchmacher bietet aber 1.90/1.90 — das ergibt eine Margin von etwa 5.3%. Diese Margin ist das, was Tipper langfristig zahlen. Bei Sporttip liegt die Margin je nach Markt zwischen 4 und 9%.
Outright-Wette — Eine Wette auf ein Turnierergebnis, nicht ein Einzelspiel. Beispiele: „Schweiz gewinnt die WM“ (Weltmeister-Outright), „Schweiz gewinnt Gruppe B“ (Gruppensieger-Outright), „Schweiz erreicht das Halbfinale“ (Runden-Outright). Outright-Wetten binden das Kapital für die gesamte Turnierdauer.
Asian Handicap — Ein Handicap-Format, das das Unentschieden eliminiert. Beim Asian Handicap -0.5 auf Team A gewinnt die Wette, wenn A gewinnt; verliert, wenn A verliert oder Unentschieden endet. Das halbiert die Möglichkeiten von drei auf zwei und erhöht die Quoten entsprechend. Standard in asiatischen Märkten, zunehmend in Europa.
Moneyline — Das US-amerikanische Quotenformat (z.B. -150 oder +120). In der Schweiz irrelevant; Sporttip verwendet Dezimalquoten. Zur Umrechnung: +150 amerikanisch entspricht 2.50 dezimal; -150 entspricht 1.67 dezimal.
Über/Unter-Linie — Die Torlinie bei Über/Unter-Wetten. Die häufigste Linie im WM-Fussball ist 2.5 Tore — bei drei oder mehr Toren gewinnt „Über“, bei null bis zwei Toren gewinnt „Unter“. Manche Anbieter bieten 1.5, 2.0, 3.0 oder 3.5 als alternative Linien an.
1X2 — Das klassische Drei-Wege-Format: 1 = Sieg Heimteam, X = Unentschieden, 2 = Sieg Auswärtsteam. Bei WM-Gruppenspielen die häufigste Wettart. In der Schweiz ist das der Standard-Markt bei Sporttip.
Live-Quote (In-Play-Quote) — Eine Quote, die sich während des laufenden Spiels verändert. Sporttip bietet Live-Quoten für WM-Spiele an, aber mit geringerer Markttiefe als spezialisierte Anbieter. Live-Quoten reagieren auf Spielgeschehen: ein Tor senkt die Quote des führenden Teams sofort.
Closing Line — Die Quote eines Marktes kurz vor Spielbeginn. Sie gilt als präziseste Marktschätzung der Wahrscheinlichkeit. Tipper, die konsequent besser als die Closing Line wetten, haben langfristig einen positiven Erwartungswert.
Best Odds (Quoten-Vergleich) — Das Prinzip, für jede Wette die beste verfügbare Quote zu suchen. In der Schweiz ist das theoretisch trivial, da Sporttip der einzige legale Anbieter ist — ein Quotenvergleich ist daher nicht möglich. Das ist ein Nachteil des Schweizer Markts gegenüber liberaleren Jurisdiktionen.
Pari Mutuel — Ein Wettsystem, bei dem alle Einsätze in einen Pool fliessen und der Gewinn proportional auf die Gewinner aufgeteilt wird. Sporttip verwendet dieses System für viele seiner Wetten — die Quote ändert sich bis Spielschluss je nach Wetteinsätzen anderer Teilnehmer.
Wettarten
Doppelte Chance — Eine Kombi aus zwei der drei 1X2-Möglichkeiten. „1X“ bedeutet: Sieg Heimteam oder Unentschieden (der Tipper verliert nur bei Auswärtssieg). „X2“ bedeutet: Unentschieden oder Auswärtssieg. „12“ bedeutet: Heimsieg oder Auswärtssieg (kein Unentschieden). Niedrigere Quote als 1X2-Einzelwetten, aber mehr Sicherheit.
Handicap-Wette (europäisches Handicap) — Dem Favoriten wird ein virtuelles Tor-Handicap gegeben. Bei „Schweiz -1“ gewinnt die Wette erst, wenn die Nati mit mindestens zwei Toren Abstand gewinnt. Bei „Katar +1“ reicht der Nati ein 1:0 nicht — Katar „gewinnt“ nach Handicap. Das europäische Handicap (im Gegensatz zum Asian Handicap) schliesst das Unentschieden mit ein.
Kombiwette (Akkumulatorwette) — Mehrere Einzelwetten werden zu einer Kombi zusammengefasst; alle müssen eintreten. Die Quoten werden multipliziert, die Margin aber auch. Bei fünf Selektionen mit je 6% Margin verliert der Tipper strukturell rund 27% vor Spielbeginn. Ich empfehle Kombis nicht für Value-orientierte Tipper.
System-Wette — Eine Variante der Kombiwette, bei der nicht alle Selektionen eintreten müssen, um einen Gewinn zu erzielen. Beispiel: 3 von 4 richtig ergibt einen Gewinn. Höhere Flexibilität als Kombis, aber noch schlechtere strukturelle Margin.
Torschütze-Wette — Wette auf den ersten, letzten oder nächsten Torschützen eines Spiels. Oder auf den Top-Torschützen des Turniers (Outright). Hohe Quoten, schwer zu modellieren, hohe Varianz. Für Value-orientierte Tipper nur in Ausnahmefällen interessant.
Halbzeit-/Endstand-Wette — Wette auf das Ergebnis zur Halbzeit und den Endstand kombiniert. Beispiel: „Halbzeit X, Endstand 2“ bedeutet Unentschieden zur Pause, Auswärtssieg am Ende. Neun mögliche Kombinationen, hohe Quoten, wenig analytische Substanz.
Korrekteste Ergebnis-Wette — Wette auf den genauen Spielstand (z.B. 2:1 Schweiz). Hohe Quoten, sehr schwer vorherzusagen. Analytisch unkontrollierbar für Einzel-Spiele.
Beides-Teams-Tore-Wette (Both Teams to Score) — Wette darauf, dass beide Teams mindestens ein Tor erzielen. Unabhängig vom Endstand. Interessant bei Spielen mit zwei offensiv starken Teams, wenig interessant bei Defensiv-Partien.
Over/Under Cards, Over/Under Corners — Spezialmarkt: Über/Unter Gelbe Karten oder Ecken in einem Spiel. Schwer zu modellieren, aber bei WM-K.-o.-Spielen unter bestimmten Gegnerpaarungen interessant.
Spielergebnis zur Halbzeit — Wette auf den Stand nach 45 Minuten, unabhängig vom Endstand. Kleinerer Markt, oft mit attraktiveren Quoten, weil weniger Geld fliesst.
Nationalität Torschütze — Wette, ob ein Spieler einer bestimmten Nationalität den nächsten Treffer erzielt. Selten angeboten, nicht empfohlen.
Strategie und Bankroll
Value-Betting — Das Kernprinzip des professionellen Wettens. Eine Wette hat Value, wenn die angebotene Quote höher ist als die faire Quote gemäss eigenem Modell. Bei einer fairen Quote von 2.50 (40% Wahrscheinlichkeit) und einer angebotenen Quote von 2.70 besteht positiver Value. Langfristig sind nur Value-Bets profitabel.
Erwartungswert (EV) — Die durchschnittliche Rendite pro Einheit Einsatz über viele Wetten. EV = (Wahrscheinlichkeit × Quote) − 1. Positiver EV bedeutet langfristigen Gewinn, negativer EV langfristigen Verlust. Die Buchmachermargin macht fast alle Wetten zu negativen EV-Produkten — Value-Betting sucht die Ausnahmen.
Bankroll-Management — Die disziplinierte Verwaltung des Wettbudgets. Standard: 1 bis 3% des Gesamtbudgets pro Wette. Ziel: Ruinprävention auch bei langen Verlustphasen (die statistisch unvermeidlich sind) und Kapitalerhalt für die echten Value-Opportunities.
Kelly-Kriterium — Eine Formel zur optimalen Einsatzgrösse basierend auf dem erwarteten Edge. Kelly = (Edge) / (Quote − 1). Theoretisch optimal, praktisch wird oft ein Bruchteil des Kelly-Werts verwendet (z.B. halbes Kelly), um die Varianz zu reduzieren.
Flat-Betting — Jede Wette mit demselben fixen Einsatz (z.B. immer 10 CHF). Einfache Strategie, die Übereinsätze bei schlechten Serien verhindert. Weniger mathematisch optimal als Kelly, aber psychologisch einfacher durchzuhalten.
Wettkasse / Bankroll — Das für Wetten reservierte Budget. Strikt vom Alltagsgeld getrennt zu halten — das ist das wichtigste Disziplin-Prinzip überhaupt.
Analyse-Begriffe: xG, ELO, Poisson
Expected Goals (xG) — Ein statistisches Modell, das die Qualität von Torchancen misst. Ein Schuss von der Strafraumgrenze hat einen xG von etwa 0.10 (10% Torwahrscheinlichkeit), ein Elfmeter einen xG von 0.76. Wenn ein Team 2.5 xG produziert und nur ein Tor erzielt, hat es „unter seinem Niveau“ geschossen — das ist ein Hinweis auf zukünftige Regression. xG ist das wichtigste moderne Analyse-Tool für Fussball-Wetten.
xGA (Expected Goals Against) — Die xG-Metrik für die Defensive: Wie viele Tore hätte das Team auf Basis der erlaubten Chancen kassieren sollen? Ein Team mit 0.5 xGA, das drei Gegentore kassiert, hatte Pech oder eine schlechte Torwartleistung — das wird sich wahrscheinlich normalisieren.
ELO-Rating — Ein Bewertungssystem für Nationalmannschaften, das Siege und Niederlagen nach Gegnerqualität gewichtet. Wird von verschiedenen Fussball-Analysten als Alternative zum FIFA-Ranking verwendet — oft präziser, weil es aktuelle Form stärker gewichtet.
Poisson-Verteilung — Ein statistisches Modell zur Schätzung der Toranzahl in einem Spiel, basierend auf den Durchschnittswerten der beteiligten Teams. Mit dem Poisson-Modell kann man Wahrscheinlichkeiten für verschiedene Endergebnisse schätzen und mit Marktquoten vergleichen. Basis vieler Wettmodelle.
Regression zum Mittelwert — Das statistische Phänomen, dass extreme Ergebnisse (viel Glück oder Pech) sich langfristig in Richtung Durchschnitt bewegen. Wenn ein Team vier Spiele in Folge trotz schlechter xG-Werte gewonnen hat, ist statistische Regression wahrscheinlich — die Quoten spiegeln das oft nicht ein.
Torgefahr-Rate — Eigene Metrik für die Häufigkeit, mit der ein Team Chancen kreiert, normiert auf 90 Minuten. Kombiniert mit xG ein wertvoller Indikator für die Offensivstärke einer Mannschaft.
Form-Gewichtung — Das Prinzip, neuere Spiele stärker zu gewichten als ältere bei der Leistungsschätzung. Ein Team, das in den letzten fünf Spielen 4.2 xG produziert hat, ist besser einzuschätzen als ein Team, das auf Basis von 20 Spielen aus sechs Monaten 2.8 xG hat.
H2H (Head-to-Head) — Die direkte Bilanz zweier Teams gegeneinander. Historisch oft übergewichtet von Tippern: H2H-Statistiken aus entfernten Turnieren mit anderen Kadern und Trainern haben geringe analytische Relevanz. Aktuelle Form und xG sind zuverlässiger.
Oddscompiler — Der Fachmann beim Buchmacher, der die Quoten setzt. Sein Job ist es, die Quoten so zu setzen, dass der Buchmacher unabhängig vom Ausgang Profit macht. Wenn ein Oddscompiler einen Fehler macht und eine Quote zu hoch setzt, entsteht Value für den Tipper.
Sharp (Sharp Bettor) — Ein professioneller oder halbprofessioneller Tipper mit nachweislichem positivem CLV über viele Wetten. Sharps beeinflussen die Quoten — wenn sie auf ein Team setzen, sinkt die Quote. Sharps-Bewegungen zu beobachten ist eine Technik zur eigenen Quotenbewertung.
Regulatorische Begriffe
BGS (Bundesgesetz über Geldspiele) — Das Schweizer Bundesgesetz, das seit Januar 2019 den Glücksspielmarkt reguliert. Es definiert, welche Anbieter in der Schweiz legal operieren dürfen. Nur Swisslos/Sporttip und Loterie Romande/Jouez Sport sind für grosse Online-Sportwetten lizenziert.
Gespa (Eidgenössische Spielaufsichtsbehörde) — Der Schweizer Regulator für Geldspiele. Die Gespa überwacht die Einhaltung des BGS, erteilt oder entzieht Lizenzen und sperrt nicht lizenzierte Websites. Sitz: Bern.
ESBK (Eidgenössische Spielbankenkommission) — Der Regulator für Spielbanken (Casinos) in der Schweiz. Für Sportwetten ist die Gespa zuständig, nicht die ESBK.
Swisslos — Die Lotteriegesellschaft der Deutschschweiz und des Tessins. Betreiber von Sporttip, der einzigen legalen Sportwett-Plattform in der Deutschschweiz.
Spielschutz — Massnahmen zum Schutz vor Spielsucht, die Sporttip und alle lizenzierten Schweizer Anbieter gesetzlich verpflichtend anbieten müssen. Dazu gehören Einzahlungslimits, Selbstsperren und Links zu Suchtberatungsstellen. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre.
Selbstausschluss (Spielsperre) — Die Möglichkeit, sich selbst von Sportwetten auszusperren. Bei Sporttip kann man eine temporäre oder dauerhafte Sperre aktivieren. Gesetzlich verpflichtend angeboten.
DNS-Sperre — Technische Massnahme der Schweizer Behörden, mit der nicht lizenzierte Sportwett-Websites auf Internetebene gesperrt werden. Betreiber eines VPN können die Sperre umgehen, setzen sich damit aber rechtlichem Risiko aus.
Wettsteuer — In manchen Ländern wird eine Steuer auf Sportwetten erhoben. In der Schweiz zahlen nicht die Tipper direkt Wettsteuer, sondern die Anbieter. Gewinne bei Sporttip bis CHF 1’070’400 sind steuerfrei.
Lizenz (Spielkonzession) — Die offizielle Genehmigung zum Betreiben von Sportwetten. In der Schweiz erteilt von der Gespa. Ohne Konzession ist der Betrieb illegal.
Inside-Slang der Profis
Steam Move — Eine schnelle, koordinierte Bewegung von professionellen Tippern auf eine Quote, die zu attraktiv gesetzt wurde. Der Buchmacher senkt die Quote rasch, nachdem Steam eingesetzt hat. Ein Steam Move ist ein Signal: Jemand hat Edge erkannt.
Juice — Amerikanischer Begriff für die Buchmachermargin (identisch mit Vig). „Paying the juice“ bedeutet: Die Margin des Buchmachers akzeptieren.
Square — Gegenteil von Sharp. Ein Freizeittipper ohne systematisches Konzept, der auf Bauch oder Medienmeinung setzt. Squares bewegen Quoten in Richtung populärer Teams — was manchmal Value auf der anderen Seite schafft.
Fading the Public — Die Strategie, gegen die Mehrheitsmeinung der Öffentlichkeit zu wetten. Funktioniert manchmal, wenn öffentliche Begeisterung die Quote eines Teams zu sehr drückt und Value auf der anderen Seite entsteht.
Line Shopping — Das Vergleichen von Quoten mehrerer Anbieter für dieselbe Wette. In der Schweiz nicht möglich, da Sporttip der einzige legale Anbieter ist. In liberaleren Märkten ist Line Shopping ein essenzielles Werkzeug.
Sharp Action — Geld, das von professionellen Tippern auf eine Quote gesetzt wird. Sharp Action verändert die Quoten messbar — der Markt wird effizienter durch Sharp Action.
Bankroll Ruin — Der Zustand, bei dem das gesamte Wettbudget verloren ist und keine weiteren Wetten möglich sind. Bankroll-Management existiert einzig und allein zur Verhinderung des Bankroll-Ruins.
Drift — Eine Quote, die sich ohne klaren Grund in Richtung höherer Werte bewegt (also schlechter für Tipper auf dieses Ereignis). Oft ein Zeichen, dass informierte Tipper auf der anderen Seite aktiv sind.
Variance — Statistische Schwankung um den Erwartungswert. Selbst mit positivem EV kann man kurz- und mittelfristig Verluste erleiden. Hohe Varianz ist normal im Wetten; das Unterscheiden von Variance und echtem Kompetenz-Problem ist eine der schwierigsten Aufgaben für Tipper.
ROI (Return on Investment) — Der prozentuale Gewinn oder Verlust auf den Gesamteinsatz. ROI = (Gewinn − Einsatz) / Einsatz × 100. Ein ROI von 5% über viele Wetten gilt als sehr gut. Professionelle Tipper erzielen typisch 3 bis 8% ROI.
Für den vollständigen Guide zur Wettstrategie empfehle ich den Sportwetten-Guide für die WM 2026, wo ich Value-Betting, Bankroll-Management und Closing Line Value ausführlich behandle.
